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Dieses Jahr steht ganz im Zeichen des Autors Franz Kafka (1883-1924). Sein Todestag jährt sich am 3. Juni 2024 zum 100. Mal. „Kafka, wer war das noch gleich? Keine Ahnung. Aber seine Bücher gehören zu den größten Rätseln der Literatur“, sagte NDR Kulturredakteur Joachim Dicks vor kurzem etwas provokant und wünscht sich zugleich: „Mögen Sie niemals gänzlich gelüftet werden.“

 

Doch wer war dieser rätselhafte junge Mann wirklich? Die Wahrheit ist: Es gibt keine eindeutige Wahrheit. Denn Kafka hatte tausende verschiedene Gesichter.

 

Der Jurist Franz Kafka schrieb Gebrauchsanweisungen und Technikdokumentationen in seinem Beruf als „Versicherungsschriftsteller“. Nach Feierabend versuchte er sich an drei Romanen, die unvollendet blieben. War das Leben Kafkas selbst etwa kafkaesk? Absurd, bedrohlich, rätselhaft, letzten Endes sinnlos? Ginge es nach dem Prager Autor, hätte er wohl nicht nur einmal „Ja“ gesagt.  Denn obwohl er teilweise wie besessen die Nächte durchschrieb – den Roman „Die Verwandlung“ schrieb er in nur acht Stunden! – nahm er kaum ein Wort von dem, was er zu Papier brachte, ernst. Unausgereift seien seine Stücke, nicht fertig durchdacht, argumentierte Kafka und schlug mehrfach die Bitte seines Jugendfreundes Max Brod, seine Werke zu veröffentlichen, bis auf wenige Ausnahmen in den Wind. Doch obwohl seine Texte seltsam und dunkel blieben und seine Persönlichkeit kompliziert, ist der Einfluss des Autors auch 100 Jahre nach seinem frühen Tod unvermindert groß. 

 

Denn in seiner kurzen Lebenszeit von 1883 bis 1924 hat er so viele Geschichten zu Papier gebracht, dass es einen atemlos zurücklässt. Als hätte er schon früh gewusst, dass ihm nicht viel Zeit blieb, stellte er dabei für das Schreiben alles andere zurück: Die Liebe, seinen Beruf, seinen Schlaf. Er war der Erfinder einer geradezu mechanischen, nüchternen Sprache, die ihre Umwelt ruhig aber gnadenlos wie ein Uhrwerk ziselierte und das Brennglas auf Details richtete, von denen man sich lieber schnell abwenden möchte. Kafka zwingt bis heute dazu, hinzuschauen, um zu verstehen, dass das, was da vor einem liegt, so nicht bleiben kann. Dass man ausbrechen muss aus Vereinsamung, Isolation, der zerrissenen Gesellschaft und einer entmenschlichten Bürokratie – und die eigenen Ängste zugleich aushalten muss, um sie eines Tages überwinden zu können. Schafft man es, erlebt man schließlich eine Katharsis, die befreit. Schafft man es nicht, bleibt Kafka aber ein Verbündeter, dem kein Gefühl zu unangenehm ist, um es nicht laut auszusprechen, aufzuschreiben

 

Als wäre es unmöglich, all das als Mensch zu leisten, springt Kafka dabei immer wieder aus der Menschlichkeit heraus, wird zum Käfer, Hund, einem Affen – Tiere, die unserer Welt den Spiegel vorhalten und karikaturesk überspitzt immer wieder den Finger in die gleiche Wunde legen.  So lange, bis man bereit ist, sie endlich zu pflegen und zu verbinden.

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“Ich habe kein literarisches Interesse, sondern bestehe aus Literatur, ich bin nichts anderes und kann nichts anderes sein.”

Franz Kafka

 

Kafka hasste es, ins Büro zu gehen, mit Frauen hatte er’s nicht leicht, sie waren für ihn „nur als Mutter oder Prostituierte zu haben“ (Kafka-Biograph Reiner Stach) und sein tyrannischer Vater machte ihm zuhause das Leben zur Hölle. Vermutlich samt und sonders Beweggründe Kafkas, Nacht für Nacht an seinen dunklen Geschichten zu arbeiten und wie ein Besessener daran zu schreiben. Autor Max Brod, Jugendfreund aus Prager Tagen, glaubte dabei fest an Kafkas Genie und tat alles, um ihn als Schriftsteller bekannt zu machen. Mit Erfolg, wenn auch ohne Zustimmung des Freundes.

 

Die juristische Seite von Brods Handeln mag zweifelhaft bleiben. Denn er missachtete damit den letzten Willen Kafkas, den er ihm noch am Sterbebett eindringlich mitgab. Als Literaturfreund kann man Max Brod dagegen nur zutiefst dankbar sein, da er Kafka schließlich dahin katapultierte, wo er schon zu Lebzeiten hingehörte: in den Kanon der großen Weltliteratur.

 

Zum 100. Todestag von Franz Kafka haben wir eine Auswahl seiner Werke für Sie zusammengestellt. Wer tief ins Leben Kafkas eintauchen möchte, dem sei die groß angelegte Kafka-Biographie von Reiner Stach sehr ans Herz gelegt.  Alle drei Bände (Die frühen Jahre, Die Jahre der Entscheidungen, Die Jahre der Erkenntnis) des internationalen Standardwerks erschienen zum Kafka-Jahr in einer limitierten Sonderausgabe und liefern ein erzählerisch dichtes und farbiges Panorama der Lebenszeit des Prager Schriftstellers und zugleich die einfühlsame Studie eines außergewöhnlichen Menschen und Künstlers.

100 Jahre Franz Kafka

 

KAFKA

Zum 100. Todestag Franz Kafkas produzierten alle ARD-Sender, darunter der NDR, in Koproduktion mit dem ORF und Superfilm die Mini-Serie "KAFKA". Die Serie ist noch bis Mai 2025 in der ARD Mediathek abrufbar.

 

Zur Miniserie Kafka

 

Weiterführende Links

 

Autorenseite

Was Sie schon immer über Kafka wissen wollten - von seiner Biografie bis zum Stammbaum, seinen Werken bis zu aktuellen Kafka-News und einem Verständnis seiner Werke. Auf der Autorenseite zu Kafka finden Sie eine kleine Einführung in Franz Kafkas Welt.

 

 

Franz Kafka Museum / Prag

Planen Sie einen City-Trip nach Prag? Dann planen Sie einen Besuch im Kafka-Museum mit ein. Die Dauerausstellung gewährt einen Blick in die Welt des berühmten Pragers.

Ausgestellt werden:

  • alle Erstauflagen der Werke Kafkas / Korrespondenz, Tagebücher, Manuskripte, Fotografien und Zeichnungen / dreidimensionale Exponate/ eigens für die Ausstellung entstandene audiovisuelle Stücke sowie ein Soundtrack.

 

https://kafkamuseum.cz/de/

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