TIPP VON KARIN DÖRNER
Volker Kitz - Alte Eltern
Wenn Eltern alt werden, verkehrt sich meist schleichend, aber Schritt für Schritt die ganze Welt. Die Suche nach einem Schlüssel wird plötzlich zur Existenzfrage, das eigene Zuhause zu einer Falle, in der sich Fremde tummeln, und das Kind zu einer unbekannten Person . Die Demenz zieht anstelle der Erinnerungen ins Gedächtnis ein. Kann man diesen Abschied von den eigenen Eltern überhaupt erlernen? Wann wird es Zeit, sich den Gegebenheiten zu stellen? Und wie lässt sich die gemeinsame Zeit, die man noch hat, kümmernd und für beide Seiten auch so in Liebe gestalten, dass niemand seine Würde verliert?
Der Berliner Autor Volker Kitz hat diese Fragen sehr intensiv erlebt und lässt uns berührend und sehr persönlich daran teilnehmen, wie sein Vater langsam in die Demenz entgleitet. Der besondere Zauber dieses Buches liegt dabei nicht nur in der Beschreibung der Krankheit. Volker Kitz holzt die Erinnerungen an das Leben seines Vaters zurück, die ihm selbst zunehmend abhanden kommen und lässt uns bei aller Trauer auch an den vielen kleinen Momenten teilhaben, die unvergesslich bleiben. Eine absolute Leseempfehlung - nicht nur für alle, die sich denselben Fragen wie Volker Kitz stellen müssen. Es ist vor allem auch ein liebevolles Plädoyer, die Zeit, die uns allen bleibt, gut und bewusst zu erleben.